28. Oktober 2016 | 12:00

Datenschutz unter Windows 10

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde die Version 10 von Microsofts beliebten Betriebssystem Windows der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erfreut sich seitdem nur mäßiger Beliebtheit.  Häufiger Kritikpunkt ist u.a. die mangelnde Transparenz seitens Microsoft, welche Daten während der Nutzung erhoben werden und das dadurch bedingte Misstrauen der Systemadministratoren gegenüber Windows 10, da u.a. Updates nicht richtig gesteuert werden können.

Letzteres ist gerade auf Produktivsystemen ein absolutes „no-Go“, da auf Firmenrechnern häufig Spezialsoftware zum Einsatz kommt, deren Verträglichkeit mit den neuen Updates  überprüft werden muss, bevor diese von den Mitarbeitern eingesetzt werden. Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass Microsoft im Fehlerfall auch nur eine einzige Stunde Arbeitsausfall materiell entschädigen wird.

Ein weiterer Punkt, der im Firmenalltag eine Rolle spielt, ist die wenig konfigurierbare „Kontaktfreudigkeit“ des Betriebssystems zum eigenen Server. Wer ein neu aufgesetztes Windows 10 nicht nachträglich entsprechend anpasst, sendet ungefragt zahlreiche Daten an Microsoft. So ist z.B. in den Datenschutzeinstellungen standardmäßig hinterlegt, dass Informationen zum Schreibverhalten an Microsoft gesendet werden oder Werbungs-IDs zwischen „Apps“ für App-übergreifende Erlebnisse ausgetauscht werden dürfen. Auch hier nimmt sich das Betriebssystem u.E. „viel zu wichtig“, vielmehr sollte es zuverlässig im Hintergrund seinen eigentlichen Aufgaben nachgehen.

Davon abgesehen untersucht das Bayerische Landesamt für Datenschutz derzeit die Übertragung der Nutzerdaten von Windows 10 an Microsoft hinsichtlich der Verletzung der Rechte der Arbeitnehmer und ob ein datenschutzkonformer Einsatz überhaupt möglich ist. So wird von dem Windowsinternen Sicherheitstool „Windows Defender“ neben den Anwendungen, die im Verdacht auf Schadsoftware stehen, auch eine Liste aller weiteren installierten Anwendungen gesendet. Zudem wird beim Einsatz der hauseigenen Officeprogramme jede Konfiguration und Interaktion an Microsoft geschickt, wie z.B.: Dateipfad, Dateiformat,  Dateiname,  Dateigröße, Titel, Autor usw. Das hat aber nichts mehr mit den eigentlichen Aufgaben eines Betriebssystems zu tun. Daher ist unser derzeitiges Fazit: “Augen auf bei Windows 10, vor allem im Arbeitsumfeld.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bei Fragen und/oder Anregungen kontaktieren Sie uns bitte unter s.huhle@wpreichert.de.

Dresden, den 27.10.2016

Stephan Huhle, Zertifizierter Datenschutzbeauftragter

 

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