29. Juni 2015 | 16:24

Mehrfachbeschäftigung von Arbeitnehmern

Ist ein Arbeitnehmer bei mehreren Arbeitgebern gleichzeitig beschäftigt, liegt eine sog. Mehrfachbeschäftigung vor, die sowohl in der Lohnsteuer als auch im Sozialversicherungsrecht besonders bewertet werden muss. Nach Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin haben zurzeit ca. 2 Mio. Menschen in Deutschland mehrere Jobs. Arbeitsrechtlich müssen Mehrfachbeschäftigungen in der Regel beim Arbeitgeber angezeigt werden. Einige Arbeitgeber untersagen ihren Arbeitnehmern arbeitsvertraglich eine Mehrfachbeschäftigung oder halten sich das Recht vor, eine Mehrfachbeschäftigung ohne ihre Zustimmung zu verbieten.

Mehrfachbeschäftigung bei zwei (Haupt-) Beschäftigungen  

Führt ein Arbeitnehmer bei zwei Arbeitgebern eine Hauptbeschäftigung aus (keine geringfügige Beschäftigung), sind beide Beschäftigungen lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig.

–  Lohnsteuer –

Für den Lohnsteuerabzug müssen beide Arbeitgeber den Arbeitnehmer bei der ELStAM-Datenbank (Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale) anmelden und die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale abrufen. Nur ein Arbeitgeber ist der sog. Hauptarbeitgeber (d. h. Anwendung einer der Steuerklassen I bis V). Der zweiten Arbeitgeber ist  nur sog. Nebenarbeitgeber, der von ELStAM die Steuerklasse VI zurück gemeldet bekommt. Die Entscheidung, wer Hauptarbeitgeber ist obliegt dem Arbeitnehmer.

–  Sozialversicherung –

Bei einer Mehrfachbeschäftigung werden aus mehreren sozialversicherungs-pflichtigen Beschäftigungen Entgelte bezogen. Die Verbeitragung erfolgt bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze. Wird die Beitragsbemessungsgrenze nicht überschritten, muss jeder Arbeitgeber die Beiträge für das bei ihm erhaltene Entgelt berechnen und abführen. Das setzt allerdings voraus, dass den Arbeitgeber die Höhe des jeweiligen Bruttoverdienstes beim anderen Arbeitgeber bekannt ist.

Wird allerdings die Beitragsbemessungsgrenze überschritten, erfolgt die Ermittlung der Beiträge nach § 22 Abs. 2 SGB IV. Dafür ist folgende Formel anzuwenden:

Beitragsbemessungsgrenze • Arbeitsentgelt (jeweiliger Arbeitgeber)
Summe der Arbeitsentgelte aller Beschäftigungsverhältnisse

Das setzt allerdings voraus, dass den Arbeitgebern die Höhe des jeweiligen Bruttoverdienstes beim anderen Arbeitgeber bekannt ist.

Mit dem „Gesetz zur Weiterentwicklung der Finanzstruktur und der Qualität in der gesetzlichen Krankenversicherung“ wurde zum 1. 1. 2015 der Sozialausgleich abgeschafft. Bedingt durch diese Änderung wurde auch die monatliche Feststellung des Überschreitens einer Beitragsbemessungsgrenze aufgrund einer versicherungs-pflichtigen Mehrfachbeschäftigung abgeschafft. Seit dem 1. 1. 2015 ist dieses monatliche Verfahren in das nachgelagerte Verfahren geändert. Die Beitragskorrektur erfolgt seit dem 1. 1. 2015 für die Überschreitung der Beitragsbemessungsgrenzen in einer Rückschau. Nach der Übermittlung der Jahresbescheinigung im Rahmen des DEÜV-Meldeverfahrens, spätestens zum 15. 2. des Folgejahres, prüft die gesetzliche Krankenkasse, ob die Voraussetzungen des § 22 Abs. 2 SGB IV erfüllt sind. Das kann zu erheblichen Nachzahlungen führen.

Seit dem 1. 1. 2012 wird für die jeweilige Beitragsbemessungsgrenze eine Aufteilung der Beiträge vorgenommen, bevor die Verhältnisrechnung für die jeweiligen Beiträge vorgenommen wird.

Wegen der komplexen Berechnungsweise verzichten wir bewusst auf die Angabe von Zahlen, da wir diese Berechnung nur im konkreten Einzelfall vornehmen können. Bitte sprechen Sie uns dazu direkt an.

Im bald folgenden Teil „Hauptbeschäftigung und geringfügige Beschäftigungen“ erfahren Sie mehr zu diesem Thema.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bei Fragen und/oder Anregungen kontaktieren Sie uns bitte unter huhle@wpreichert.de.

Dresden, den 29.06.2015

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