9. September 2016 | 12:04

Neuerungen bei Whatsapp, Zeit zu gehen?

Whatsapp hat Ende August 2016 seine Datenschutzbestimmungen überarbeitet, die zahlreiche Änderungen beinhalten. Einige wesentliche Änderungen erfahren Sie im Folgenden, zuvorderst jedoch eine kleine Rückblende.

Whatsapp ist der derzeitig am Meisten genutzte Messenger im Privat- sowie Firmenumfeld. Es lassen sich unkompliziert verschlüsselte Nachrichten und Dateien austauschen, zudem ist es möglich mittels Whatsapp zu telefonieren. Der Austausch der Nachrichten erfolgt dabei über das Internet, was den Messenger so beliebt macht, da bei vielen Smartphonebesitzern für das Versenden von z.B. SMS andernfalls Gebühren anfallen und hierrüber auch kein Austausch von Bildern möglich ist.

Auch wer keine Internetflatrate besitzt, hat mit der Nutzung von Whatsapp keine größeren Kosten zu befürchten, denn das von der App verwendete Datenvolumen für den einfachen Austausch von Nachrichten ist sehr gering.

Mit steigender Beliebtheit rückte Whatsapp 2014 in den Fokus von Facebook und wurde schließlich im Herbst 2014 für 22.000.000.000 € übernommen. Mit der Zusage, dass keine Daten zwischen den beiden Firmen ausgetauscht werden, wurde die Übernahme schließlich durch die Kartellbehörde genehmigt.

Mit den neuen Datenschutzbestimmungen behält sich nun Whatsapp das Recht vor, von jedem Nutzer die Telefonnummer an Facebook zu übermitteln, um dort mittels personalisierter Werbung die Werbeeinnahme sprudeln lassen zu können. Dabei macht es auch keinen Unterschied, ob Sie überhaupt bei Facebook sind, denn die Telefonnummer erhält Facebook trotzdem.

Widerspruch zwecklos

Für Whatsapp-Nutzer gibt es versteckt in den Einstellungen die Möglichkeit dieser Nutzung der Telefonnummer zu widersprechen. Das klingt auf den ersten Blick vernünftig, verhindert jedoch nicht, dass auch hier Facebook die Nummer bekommt, es wird lediglich der Zweck der Nutzung verändert: “wie Verbesserung von Infrastruktur und Zustellsystemen, des Verstehens der Art der Nutzung unserer bzw. ihrer Dienste, der Absicherung der Systeme und der Bekämpfung von Spam, Missbrauch bzw. Verletzungshandlungen“.

Neben dem Übermitteln der Telefonnummer und der Nutzungshäufigkeit an Facebook, gehört nun auch der Umgang mit den telefoninternen Kontakten zu den Neuerungen der AGB‘s. Wer Whatsapp weiter nutzt, bewilligt dem Dienst laut den aktuellen Datenschutzrichtlinien ausdrücklich den Zugriff auf die Kontaktliste.

Diese Praxis lässt bereits der hamburgische Landesdatenschutzbeauftragte Prof. Dr. Johannes Caspar prüfen und sagt: „Die Erhebung muss auf einer rechtlichen Grundlage basieren und im Rahmen der Erforderlichkeit erfolgen. Für den in der Praxis von Whatsapp erfolgenden Umfang und vom Verfahren her ist dies jedoch zweifelhaft“ und es sei „praxisfern zu unterstellen, dass Whatsapp-Nutzer alle Kontakte, die sie im Telefonbuch gespeichert haben, gefragt haben, ob diese eine Übermittlung ihrer Telefonnummer an das Unternehmen erlauben“. Die Wirksamkeit der ungewöhnlichen Klausel steht damit wohl infrage.

Ärger droht Facebook/Whatsapp auch in den USA bei der US-Handelsbehörde FTC. Die Electronic Privacy Information Center (EPIC) reichte eine Beschwerde mit der Begründung „unfaire und irreführende Handelspraxis“ ein. Zudem hat die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager angekündigt zu prüfen, ob das Fusionskontrollverfahren zwischen Facebook und Whatsapp neu aufgerollt werden muss. Unterdessen ermittelt seit März 2016 das Bundeskartellamt gegen Facebook „wegen Verdachts auf Marktmachtmissbrauch durch Datenschutzverstöße“, auch hier dürfte das Verfahren durch die neuen Datenschutzrichtlinien beeinflusst werden.

Wer Whatapp weiterhin nutzt, hat noch bis 26.09.2016 Zeit den neuen AGB’S zuzustimmen. Unklar ist hingegen was passiert, wenn nicht zugestimmt wird und dennoch Whatsapp weiter genutzt wird. Es ist jedoch davon auszugehen, dass bei der Weiternutzung des Dienstes den AGB’s automatisch zugestimmt wird.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass jeder selbst wissen muss, ob er privat mit einer angeblich kostenlosen App den Profit eines US-Unternehmens weiter in die Höhe treibt und dabei seine eigene Daten und die seiner Kontaktliste „verkauft“. Auf einem Betriebstelefon oder gar zur Kommunikation mit Kunden, Lieferanten und Mandanten ist Whatsapp durch die neuen AGB’s hingegen u.E. nicht mehr geeignet.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bei Fragen und/oder Anregungen kontaktieren Sie uns bitte unter s.huhle@wpreichert.de.

 

Dresden, den 09.09.2016

 

Stephan Huhle, Zertifizierter Datenschutzbeauftragter

 

 

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